Dienstag, 18. Juni 2013

Game-Time (Vol. 2) - Ab in die Tonne

Abacus Spiele: Ab in die Tonne, Carlo A. Rossi, 2-5 fingerfertige Müllentsorger

So ein Mist!



Wer bringt den Müll runter? Richtig: Der, der auch mit aller Gewalt nichts mehr im Mistkübel unterbringt. Dass diese Beziehungs- und WG-Alltagsdynamik aber auch zu einem unterhaltsamen Spiel taugt ist so unerwartet wie neu.

Können wir nochmal spielen, Papa. Beim nächsten Mal fällt sicher bei Dir was runter.“ Ehrgeizige Begeisterung für Müll bei einer fünfjährigen Prinzessin. Wer hätte das gedacht. Die Tatsache, dass sich Müll stapelt ist ja jetzt per se nichts, was Herrn und Frau Österreicher sonderlich begeistert. Kaum darf man das ganze aber kompetitiv machen und mit Fingerspitzengefühl den letzten Apfelbutz genau in die Lücke zwischen Konservendose, Glasflasche und Milchpackerl versenken, bewegt man sich euphorisch in geradezu artistisch-architektonischen Mistsphären. Der Mechanismus ist simpel. Es gibt die vier oben genannten Müllsorten, die in den Mistkübel müssen. Wieviele man ablegen muss und in welcher Reihenfolge die Spieler zum Ablegen drankommen entscheiden zu gleichen Teilen Kartenglück wie Geschick. Ein bisschen Taktik, je nach Füllstatus des Mistkübels, ist schon angebracht um nicht bei bereits überfülltem Müllbehälter auf einmal zehn weitere Gegenstände entsorgen zu müssen. Denn: Der, bei dem sich das erste Stück Mist gen Boden verabschiedet, verliert die Runde. „LANGWEILIG!“ werden jetzt die Brettspieler schreien, die kein Spiel akzeptieren, dass mit weniger als 10 Seiten  Anleitung auskommt. Aber hey: Genau darum geht’s hier: Simpler Spaß für die ganze Familie den jeder (auch schon unter 6 Jahren) schnell behirnt hat. Ein Spiel, das Kinder gerne spielen, weil sich was tut und Eltern gerne mitmachen, weil sie einen gewissen Geschicklichkeitsehrgeiz à la „Des muas doch no eine gehn“ entwickeln. Und für die oben angesprochene WG-Fraktion: Geheimtipp: Das Ding wird zweckentfremdet zum  ultimativen Trinkspiel. Vergesst Punkte und Karten und legt einfach reihum rein, bis bei einem was runterfällt. Prost und viel Spaß!

Ab in die Tonne“ ist ein einfaches und schnell erklärtes Stapelspiel mit sehr schönem Material, das sich für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen eignet. Wie meistens gilt, dass der Spielspaß mit der Anzahl der Mitspieler steigt.

Andreas Reisenberger

7/5*/10**

* zu zweit 
** als Party-Trinkspiel

Game - Time ( Vol. 1) - "Voll ins Schwarze"

Huch! & friends: VOLL ins SCHWARZE, Touko Tahkokallio, für 2-7 taktierende Schätzmeister

Blöd kannst' sein, aber schätzen musst' können


Wie schwer ist die größte jemals gezüchtete Blaubeere? Wissen Sie nicht? Dann ist das genau ihr Spiel. Hier ist Wissen nur bedingt Macht und Taktik wichtiger als ein Doktor in Alleswisserei.

„Schön blöd....ich weiß zwar, dass das Woodstock Festival 1969 war, aber ich hab nur Zahlenkarten die mich bis 61 bringen.“ So fühlt man sich oft bei diesem Spiel. Das Hauptproblem, dem sich der Spieler in „VOLL ins SCHWARZE“ stellen muss ist, dass er nicht nur die richtige Antwort aus einer von vier ausgewählten Fragenkategorien wissen oder erraten muss, sondern auch noch die nötigen Zahlenkarten um die Antwort, die immer zwischen 1 und 99 liegt, zu bilden. Da ist Taktik gefragt: Darauf hoffen, dass die anderen es ohnehin nicht wissen oder auch keine guten Zahlenkarten haben und man selber am nähesten dran ist, oder doch lieber die Pausenkarte ausspielen und sich somit für die nächste Runde mit drei neuen Zahlenkarten aufmunitionieren? Der Trade-Off zwischen Karten holen und trotzdem oft genug raten um am Ende als Schätzmeister hervorzugehen macht die Sache interessanter als herkömmliche Quiz-Spiele und mit einer runden halben Stunde Spieldauer ist es auch für zwischendurch geeignet. Kleiner Abschlusstipp: Es gibt sechs Fragen-Kategorien, aber pro Spiel spielt man nur mit vier. Sofern Sie also debattiös veranlagte Freunde haben, die Ihre Lieblingskategorie sicher nicht kampflos weglegen wollen: Lassen Sie am besten zwei Kategorien schon vor dem Spiel unauffällig verschwinden.

VOLL ins SCHWARZE ist ein simples Schätzspiel mit interessanten bis lustigen Fragen und Taktik-Komponente. Die Raterei wird aber erst ab vier bis fünf Spielern interessant, weil dann die Taktik mehr zum Tragen kommt. Wer regelmäßig mit Freuden spielerisch sein Wissen erweitern will: Leider geil. Mit dem Partner allein daheim: Leider nein.

Andreas Reisenberger

7/4*


*zu zweit

Mittwoch, 3. April 2013

Vertrauensbruch


Das Parlament in Zypern hat gegen die Zwangsabgabe gestimmt. Die Tatsache, dass ernsthaft darüber nachgedacht wurde, schürt Unsicherheit – und das könnte Europas Wirtschaft teuer zu stehen kommen.

In einer ökonomisch unruhigen Situation ist es nicht unüblich, dass die Emotion oft stärker ist als die Ratio. Der neu ausgebrochene Krisenherd Zypern ist dahingehend keine Neuerung. Dennoch ist die Vorgehensweise der EU-Finanzminister in Zusammenarbeit mit der zypriotischen Regierung im Rahmen der Verhandlungen um Hilfsgelder aufsehenerregend. Eine ernsthafte Erwägung die Spareinlagen von Privatpersonen zur Refinanzierung eines Staates heranzuziehen ist ein völlig neuer und für die Bevölkerung beunruhigender Schritt. Denn die Tatsache, dass EU-Finanzminister die zwangsweise Aneignung von privaten Spareinlagen als ein rechtsstaatlich probates Mittel sehen um Finanzprobleme zu lösen, ist bedenklich. Europaweit und auch über die Grenzen der Union hinaus machen sich – teilweise durch reißerische Medienberichte zusätzlich verängstigt – Bürger sorgen, ob ihr Geld auf einer Bank noch sicher ist. Denn was heute für einen EU-Staat eine Option ist, könnte morgen für alle denkbar sein. Eine wirtschaftspolitisch heikle Situation, die mit größter Vorsicht behandelt werden sollte. Zwar hat das zypriotische Parlament die Zwangsabgabe abgeleht, der Schaden ist aber angerichtet. Was nach einer möglichst schnellen Lösung für ein lokales Problem ausgesehen hat, könnte mittelfristig die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der EU gefährden. Denn Investoren sahen in der EU bisher einen stabilen und verlässlichen Partner. Wenn diese Stabilität wegfällt, wird für Europas Banken wichtiges Kapital in andere Märkte abfließen und es drohen Liquiditätsprobleme und Kreditklemmen. Um dieser Kapitalflucht vorzubeugen, ist es von großer Bedeutung in Österreich und der gesamten EU wieder eine nachhaltige Vertrauensbasis zwischen Bevölkerung, Banken und Politik zu schaffen. Und um dieses Vertrauen wieder herzustellen wird mehr erforderlich sein, als ein Verweis auf eine begrenzte staatliche Einlagensicherung.

EDIT: Geschrieben am 20.3.2013